Les Pleureuses - Karfreitagsprozession in Romont (FR)

Passionsumzug - Tränen, die niemand sieht

Der Betrachter fühlt sich ins Mittelalter zurückversetzt: jedes Jahr am Karfreitag zieht die düstere Prozession der Pleureuses durch Romont.

Sie nennen sich die Weinenden. Ihre Tränen sind jedoch nicht zu sehen. Versteckt unter langen schwarzen Gewändern und Kapuzen, trauern die Frauen um ihren Messias. Um Jesus. Seit 1755 findet im freiburgischen Städtchen Romont jeden Karfreitag die Prozession der Pleureuses statt. Heute wird das feierliche Ritual hauptsächlich von Studentinnen durchgeführt, die anonym bleiben wollen. Auf roten Kissen tragen ein gutes dutzend Frauen Symbole der Passion mit: die dreischwänzige Peitsche, mit der Jesus geschlagen wurde, die Dornenkrone, die er tragen musste, Hammer und Nägel, mit denen die Römer den "König der Juden" ans Kreuz schlugen, den mit Essig getränkten Schwamm, mit dem der Durst des Gemarterten gestillt wurde, die Lanze der Peiniger.

In der Mitte der feierlichen Karfreitagsprozession wird ein Tuch mit dem Antlitz von Jesus Christus gezeigt. Die heilige Veronika, so erzählt eine alte Legende, habe mit ihrem Schleier den Schweiss und das Blut des Gekreuzigten abgewischt.

Der Trauerzug der Weinenden soll unter anderem eine Erinnerung daran sein, dass es vor zweitausend Jahren vor allem Frauen waren, die trotz ihrer Furcht vor den römischen Soldaten den Tod des heiligen Mannes am Kreuz von Golgatha beklagten.